Friederich K., alias "Kupzinger"

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Micro Layout „Gorse Valley“ – Teil 2: Finescale Gleisbau

Erstellt am Freitag, 5. Januar 2024, zuletzt aktualisiert am Montag, 8. Januar 2024


Gleise in Spur N sind ja so eine Sache, wenn es etwas feiner sein soll. De-Fakto Situation im deutschsprachigen Raum: die verhältnismäßig hohen Spurenkränze erlauben zwar maßstäblich niedrige Schienenprofile bis runter auf ca. 1mm, aber dann muss die Innenseite der Schienen frei von Kleineisen bleiben, sonst rattern vor allem ältere Fahrzeuge (und aktuelle Minitrix Modelle) über diese kleinen Erhöhungen.


WAS HAT FINESCALE MIT BULLEN ZU TUN?

Das britische Vorbild erlaubt aber einen Ausweg aus dieser Situation, ohne dass alle Spurenkränze abgedreht werden müssten. Erstens kommen die Modelle standardmäßig mit feineren Rädern daher, zumindest bei dem Rollmaterial, dass ich mir zugelegt habe, ist das so. Das ist aber nur ein optischer, kein technischer Vorteil. Denn zweitens wurden bei den echten Bahnen auf der Insel ursprünglich „Bullhead“ Schienen eingesetzt, die im Gegensatz zu dem hierzulande üblichen „Flat Bottom“ Profi oben und unten symmetrisch schmal sind. Im Querschnitt soll das etwa so aussehen wie ein Bullenkopf, daher der Name. Die Idee dahinter war, dass ein abgefahrenes Profil sich umdrehen lässt. (Das hat sich dann in der Praxis nicht bewährt, weshalb man schließlich von dieser Gleisform abgekommen ist.) Das Bullhead Gleis benötigt recht aufwändige gegossene Stützelemente („Schuhe“), die dem britischen Gleis sein charakteristisches Aussehen geben. Frühe Festlandbahnen haben übrigens auch diese Technik verwendet, ich habe irgendwo ein Bild aus der Frühzeit der österreichischen Südbahn bei Baden, wo Bullhead Schienen zu sehen sind.

Und jetzt kommt der Clou: weil im Modell das Bullhead Profil unten auch schmaler als das Flat Bottom Profil ist, bleibt dort Platz für „Kleineisen“ bzw. den inneren Teil der Gleisschuhe. Das funktioniert auch bei 1 mm hohen Spurkränzen, ich habe es ausprobiert: https://www.youtube.com/watch?v=CrI7-W5bahQ

Entsprechend ist es möglich, vollständiges Modellgleis (als maßstäbliche Nachbildung echter Schienen) für Bullhead-Vorbilder zu konstruieren. So etwas ist auch käuflich zu erwerben, z.B. hier: https://www.britishfinescale.com/category-s/1848.htm


UND DOCH EINE FLAT BOTTOM WEICHE?

Wie in Teil 1 erläutert, werde ich aber keine Bullhead-Weiche einsetzen, sondern eine Eigenbau-Modellweiche mit Flat Bottom Profil, einfach weil ich sie gebaut habe und einsetzen möchte. Beim Vorbild ist die alte Weiche eben durch eine neue ersetzt worden, und die hat jetzt Flat Bottom. Solche Mischungen waren bzw. sind üblich. Beim Schottern werde ich auch eine hellere Schotterfarbe für die Weiche verwenden.

Beim Bau dieser Weiche bin ich spezielle Wege gegangen, denn ich hatte mir letztes Jahr in den Kopf gesetzt, mit meinem Schneidplotter ein funktionierendes Selbstbaugleis für Spur N zu bauen. Das ist letztlich auch geglückt. Natürlich ist viel Handarbeit im Spiel, einen ausgewachsenen Bahnhof möchte ich eher ungern in dieser Technik ausstatten. Besonderes Feature meiner Lösung im Vergleich zu der klassischen Methode mit Löt-Schwellen ist, dass auch die Schienenhalter („Kleineisen“) außen nachgebildet sind. Wen das im Detail interessiert, kann unter diesem Link mein „Labortagebuch“ nachlesen: https://www.stummiforum.de/t123583f64-Pyrkerbahn-in-N-Besuch-bei-quot-Die-Welt-der-kleinen-Bahnen-quot-18.html#msg2514005. Hier nur eine Kurzfassung zur Weiche.

Die tragende Konstruktion der Weiche besteht aus dem transparenten Cover von Heftmappen. Mein Plotter kann diese präzise schneiden. Über die hochgebogenen Schienenhalter werden dann die Schwellen gestülpt, die anfänglich noch mit Seitenstegen verbunden sind. Die Stege werden abgeschnitten, wenn die Schwellen festgeklebt sind. Bei meiner Prototypweiche bestehen die Schwellen aus 0,5 mm starkem Fotokarton. Inzwischen habe ich die Technik so erweitert, dass die Schwellen aus Echtholz (1 mm Balsa) bestehen und auch die Rippenplatten nachgebildet werden. In dieser Technik habe ich aber noch keine weitere Weiche gebaut.


WEITERE GLEISE

Die „Finetrax“ Bullhead-Gleise selbst müssen auch noch montiert werden, dies ist jedoch vergleichsweise einfach. Die Schienenstücke werden in fertige Schwellenbänder eingeschoben. Dafür gibt es ein Hilfsmittel, das auch für einen gleichmäßigen Schwellenabstand sorgt. Beim Handling der Gleise verschieben sich die Schwellen allerdings sehr leicht, vor dem Fixieren muss also immer noch mal die Schwellenlage kontrolliert werden und größere Lücken bzw. schräg stehende Schwellen korrigiert werden.


TRASSIERUNG

Als Grundlage für das Gleis dient bei dieser Kleinstanlage einfach ein 5 cm starkes Stück Styrodur. Im Gleisbereich bleibt es auch genau diese 5 cm hoch, außerhalb habe ich bearbeitet. Die tatsächliche Gleisfigur habe ich einfach in 1:1 ausgelegt und eingezeichnet. Der Höhenunterschied meiner Weiche zum Finetrax Gleis ist glücklicherweise annähernd 1 mm. Ich habe passende Streifen aus „Styrosheet“ aus dem Architekturbedarf als Höhenausgleich verwendet.

Der Gleisverlauf im Bogen mit der 1:9-Weiche, die eine Zwischengerade im Abzweig hat, ist nicht unbedingt die eleganteste Konstruktion. Für eine nachträglich eingesetzte Weiche finde ich die Lösung aber glaubhaft.


ELEKTRISCHER ANSCHLUSS UND WEICHENMECHANIK

Der aufwändigste Teil war der elektrische Anschluss. Jedes Gleissegment braucht Anschlussdrähte, und jeder Anschlussdraht braucht ein Loch im Untergrund. Das Anlöten der Zuleitungen ist eine Präzisionsaufgabe, denn die Schienenprofile sind sehr schmal und sollten nicht zu heiß werden. Auf der Unterseite des Styrodurblocks lassen sich die Leitungen dann aber schön ordentlich in gerade Ritzen drücken, die sich leicht mit einem Cutter und Lineal erzeugen lassen. Die Weiche wird „konventionell“ über eine Stangen/Kippschalterkonstruktion per Hand gestellt. Der Kippschalter sorgt für Rastmoment und Herzstückpolarisation.

Natürlich gab es, als alles fertig verkabelt war, den obligatorischen Kurzschluss. Zum Glück war schon meine zweite Theorie, wo er denn liegen könnte, richtig. So musste ich nicht stundenlang suchen. Es lag an zwei lackierten Kupferdrähten, die gemeinsam durch ein Loch im Styrodur geführt wurden und die nicht mehr perfekt isoliert waren.


ERSTER TESTBETRIEB

Nachdem dies alles erledigt war, konnten die ersten Lokomotiven über die Anlage fahren. Der erste Meilenstein des Projektes ist erreicht! Ganz nebenbei ist damit auch die Funktionalität meiner Selbstbau-Weiche bewiesen.

Ich verwende DCC und eine z21 start als Zentrale. Die beiden britischen Dampfrösser sind ab Werk mit Zimo-Dekodern – die kommen aus Österreich :) – ausgestattet. Die haben eine Bremsfunktion über Funktionstaste. Man kann also wunderbar mit lautem Auspuffschlag beschleunigen, dann ausrollen lassen, und dann mit etwas Geschick zielbremsen. So macht sogar der sehr beschränkte Betrieb auf 75 cm schon unheimlich viel Freude!

Im nächsten Teil wird es um den Bau des Fiddleyards gehen.
Liebe Grüße
Kupzinger


Grundkonstruktion aus Styrodur.
Grundkonstruktion aus Styrodur.
Der Konstruktionsaufwand für eine Modellweiche ist nicht zu unterschätzen. Ich habe InkScape und ein Originalplan verwendet und das Ergebnis dann in die Software des Schneidplotters importiert.
Der Konstruktionsaufwand für eine Modellweiche ist nicht zu unterschätzen. Ich habe InkScape und ein Originalplan verwendet und das Ergebnis dann in die Software des Schneidplotters importiert.
Dies sind die Gleishalter aus Heftmappen-Cover.
Dies sind die Gleishalter aus Heftmappen-Cover.
Testmontage der Herzstückspitze.
Testmontage der Herzstückspitze.
So schaut die Sache ohne Schwellen aus.
So schaut die Sache ohne Schwellen aus.
Die Öffnungen in den Schwellen sind sehr schmal und eine Herausforderung für den Schneidplotter.
Die Öffnungen in den Schwellen sind sehr schmal und eine Herausforderung für den Schneidplotter.
Zwischenstand bei der Weichenmontage. Die Schienenprofile werden mit flüssigem Sekundenkleber auf den Schienenhaltern befestigt. Überschüssiger Kleber versickert in den Papp- oder Holzschwellen.
Zwischenstand bei der Weichenmontage. Die Schienenprofile werden mit flüssigem Sekundenkleber auf den Schienenhaltern befestigt. Überschüssiger Kleber versickert in den Papp- oder Holzschwellen.
Es gibt natürlich eine Stellstange und keine Stellschwelle :)
Es gibt natürlich eine Stellstange und keine Stellschwelle :)
Zukünftige Weichen können mit Balsaholz-Schwellen ausgesattet werden.
Zukünftige Weichen können mit Balsaholz-Schwellen ausgesattet werden.
So kam die Weiche nach ca. 9 Monaten aus der Schublade. Die Stelle oberhalb der Herzstück-Spitze ist etwas eng geraten (genau da wo die Achse jetzt liegt). Da ruckeln die ...
So kam die Weiche nach ca. 9 Monaten aus der Schublade. Die Stelle oberhalb der Herzstück-Spitze ist etwas eng geraten (genau da wo die Achse jetzt liegt). Da ruckeln die langen Fahrgestelle der Dampfloks teilweise. Hier ist ggf. Nacharbeit notwendig.
Hier liegt die Weiche in ihrer finalen Position, für die restlichen Gleise ist die Bettung vorbereitet.
Hier liegt die Weiche in ihrer finalen Position, für die restlichen Gleise ist die Bettung vorbereitet.
Damit später nichts unschön durchscheint, gibt es gleich eine Behandlung mit Abtönfarbe.
Damit später nichts unschön durchscheint, gibt es gleich eine Behandlung mit Abtönfarbe.
Auf der Unterseite wurden einige Öffnungen geschaffen, damit die Stellmechanik Platz hat.
Auf der Unterseite wurden einige Öffnungen geschaffen, damit die Stellmechanik Platz hat.
Und dann können die Dampfrösser losgelassen werden!
Und dann können die Dampfrösser losgelassen werden!
Feine Loks auf feinen Gleisen ist schon etwas elegantes. Ok, die Kohlenladung könnte man noch überarbeiten... :)
Feine Loks auf feinen Gleisen ist schon etwas elegantes. Ok, die Kohlenladung könnte man noch überarbeiten... :)
Was jetzt sehr unschön auffällt, sind die Original-N-Kupplungen. Da muss ich noch eine Alternative finden, eine Original-Kupplung ("EMA") liegt zum Test bereit.
Was jetzt sehr unschön auffällt, sind die Original-N-Kupplungen. Da muss ich noch eine Alternative finden, eine Original-Kupplung ("EMA") liegt zum Test bereit.
Typisch britische kurze Güterwagen. Vorne links ist eine Stromversorgung zu erkennen.
Typisch britische kurze Güterwagen. Vorne links ist eine Stromversorgung zu erkennen.
Ohne Worte.
Ohne Worte.
Hier sieht man noch leichte Höhenunterschiede im Übergang zur Weiche, an die ich noch mal ran muss.
Hier sieht man noch leichte Höhenunterschiede im Übergang zur Weiche, an die ich noch mal ran muss.
Gut zu erkennen bei dieser Perspektive sind die innen eng anliegenden "Schuhe".
Gut zu erkennen bei dieser Perspektive sind die innen eng anliegenden "Schuhe".
Was für ein Fahrwerk! Nur der Schraubenschlitz fällt unschön auf, aber ohne Vergrößerung ist er kaum zu erkennen.
Was für ein Fahrwerk! Nur der Schraubenschlitz fällt unschön auf, aber ohne Vergrößerung ist er kaum zu erkennen.
British Railways Standard Class 5MT.
British Railways Standard Class 5MT.

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Folgende Kommentare wurden hinzugefügt:

spurneun am Montag, 8. Januar 2024
schon sehr speziell diese (transparente) Schienenbefestigung !!!

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